„Bereit machen für das Klimaendspiel“ ?

Freitag, 05/08/2022

Sollte sich die Welt um mehr als drei Grad erwärmen, wären die Folgen katastrophal.
Was nach viel klingt, sei kein unwahrscheinliches Szenario, berichten Fachleute
aus der Klimaforschung. Die Menschheit solle sich vorbereiten.
Überschwemmungen, Brandkatastrophen und katastrophale Dürren mit Millionen
von Toten. An düsteren Warnungen zu den Auswirkungen der Erderhitzung hat es
der Weltklimarat (IPCC) in seinen bisher 14 Sonderberichten nicht mangeln lassen.
Und doch werfen weltweit führende Klima- und Katastrophenexperten dem wichtigsten
Klimaratgeber der internationalen Staatengemeinschaft nun vor, die drohenden
Folgen des Klimawandels zu verharmlosen. Der IPCC habe den Szenarien einer
wirklich katastrophalen Erderwärmung mit einem Temperaturanstieg von weit mehr
als drei Grad bislang nicht die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt, schreiben sie
in einer im Fachjournal »PNAS« veröffentlichten »Perspective« mit dem
bezeichnenden Titel »Klima-Endspiel«.

Die entscheidende Frage, um die sich Klimarat und die Regierungen der Welt nach
Einschätzung der Forschenden – unter ihnen der Gründer des Potsdam-Instituts für
Klimafolgenforschung (PIK) Hans Joachim Schellnhuber und der heutige PIK-Chef
Johan Rockström – bislang herumdrücken, laute: »Kann der von Menschen
verursachte Klimawandel zu einem weltweiten Zusammenbruch der Gesellschaften
oder sogar zum Aussterben der Menschheit führen?«

18 Prozent Wahrscheinlichkeit für mehr als 4 Grad Temperaturanstieg

Dass Szenarien einer existenziellen Bedrohung bis hin zum Aussterben der Menschheit
keine Endzeitfantasien seien, zeigt laut der aktuellen Veröffentlichung die
gegenwärtige Entwicklung des Treibhausgasausstoßes. Die aktuellen IPCC-Berichte
gehen davon aus, dass bei einer Verdopplung des atmosphärischen Kohlendioxidgehalts
gegenüber dem vorindustriellen Niveau die Wahrscheinlichkeit eines Temperaturanstiegs
von mehr als 4,5 Grad bei etwa 18 Prozent liegt. Die Hälfte dieses Werts sei grob bereits
heute erreicht. Dennoch würden die Folgen extremer Temperaturerhöhungen um mehr
als drei Grad zu wenig beachtet, schreibt die Gruppe.

»Die Auswirkungen extremer Temperaturszenarien werden im Verhältnis zu ihrer
Wahrscheinlichkeit zu wenig erforscht«, kritisiert Hauptautor Luke Kemp vom Zentrum
zum Studium existenzieller Risiken an der University of Cambridge. »Wir wissen
ausgerechnet am wenigsten über die Szenarien, die am wichtigsten sind.« Die Spanne dessen,
was von den Autorinnen und Autoren als wirklich katastrophale Szenarien angenommen wird,
reicht vom Tod jedes zehnten Menschen auf dem Planeten bis hin zum Aussterben der
Menschheit.
Doch statt sich eingehend mit den schlimmsten Szenarien zu befassen, haben die Berichte
des Klimarats einer von den Forschern angestellten Textanalyse zufolge in den vergangenen
Jahren ihren Schwerpunkt immer stärker in Richtung eines Temperaturanstiegs von zwei
Grad Celsius und darunter verschoben.

Bremst die Angst vor Panikmache den Klimarat?
Warum der Klimarat den extremeren Szenarien vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit schenkt,
ist eine spannende Frage. Einen Grund sehen die Forscher in dem Bestreben, nicht der
Panikmache verdächtigt zu werden, einen weiteren im Konsensprinzip bei der
Formulierung der Klimareports, die zwischen mehr als 190 Staaten abgestimmt werden muss.
Zudem könnte es eine politische Erwägung sein: Würde sich der Fokus der Debatte auf viel
höhere Temperaturen richten, würde das nach wie vor proklamierte politische Hauptziel
einer Begrenzung der Erwärmung auf 1,5 Grad zunehmend aussichtslos erscheinen.
Nicht auszuschließen, dass dann in einer »Alles egal«-Mentalität die mühsam erkämpften
Fortschritte bei der Reduzierung von Treibhausgasen komplett in sich zusammenbrechen
könnten.

Wie viele Menschen künftig von Extremen betroffen sein könnten, modellieren die
Experten an einem Beispiel. Gegenwärtig seien rund 30 Millionen Menschen in der Sahara
und an der Golfküste Extremtemperaturen mit einem jährlichen Durchschnitt von 29 Grad
Celsius ausgesetzt. Berechnungen des Teams zufolge könnten es in den kommenden
Jahrzehnten zwei Milliarden sein. Die betroffenen Länder gehörten nicht nur zu den am
dichtesten besiedelten, sondern auch zu den politisch instabilsten. »Bis 2070 werden diese
Temperaturen und die sozialen und politischen Folgen zwei Atommächte und sieben
Hochsicherheitslabors, in denen die gefährlichsten Krankheitserreger untergebracht sind,
direkt betreffen«, heißt es in der »PNAS«-Publikation. Es bestehe ein ernsthaftes
Potenzial für katastrophale Folgewirkungen, warnen die Forscher. »Die Wege in die
Katastrophe beschränken sich nicht auf die direkten Auswirkungen der hohen
Temperaturen wie etwa extreme Wetterereignisse.«
Finanzkrisen, militärische und innerstaatliche Konflikte und neue Krankheitsausbrüche
könnten die Folge sein und wiederum weitere Katastrophen auslösen. Nicht zuletzt die
Covid-19-Pandemie habe gezeigt, wie wichtig es sei, auch unwahrscheinliche Risiken
mit weit reichenden Folgen für alle Bereiche des Lebens stärker in Betracht zu ziehen –
auch, um ihnen vorzubeugen.
»Es gibt viele gute Gründe für die Annahme, dass der Klimawandel selbst bei einer
moderaten Erwärmung katastrophal werden könnte«, sagt Kemp. »Der Klimawandel
hat bislang bei jedem Massenaussterben eine Rolle gespielt – er hat zum Untergang
von Imperien beigetragen und die Geschichte geprägt«, schreiben die Autoren.
Auch die moderne Zivilisation sei nur an eine bestimmte Klimanische angepasst, warnt Kemp.
IPCC soll »Endspiel«-Sonderbericht vorlegen

Die Autoren und Autorinnen plädieren dafür, sich stärker als bislang auf die Erforschung
von Kipppunkten zu konzentrieren, die zu einer exponentiellen Steigerung der Klimafolgen
führen könnten: vom Methan, das durch das Schmelzen der Permafrostböden freigesetzt wird,
über den Verlust von Wäldern, die als Kohlenstoffspeicher fungieren, bis hin zum
potenziellen Verschwinden der Wolken.

Vom Weltklimarat fordern die Wissenschaftler, einen Sonderbericht zu katastrophalen
Klimaänderungen vorzulegen. Dieser »Endspiel-Report« könne dazu beitragen, weitere
Forschungen und mehr Klimaschutz anzustoßen, so wie es der Sonderbericht zur
globalen Erwärmung um 1,5 Grad erreicht habe. Das Werk könnte »dazu beitragen,
den Blick dafür zu schärfen, wie viel in einem Worst-Case-Szenario auf dem Spiel steht«,
und helfen, die Forschungsgelder zu sichern. Ein »Weiter so« führe dagegen weiter in
die Krise, lautet die Warnung: »Sich auf eine Zukunft mit beschleunigtem Klimawandel
einzulassen und dabei die schlimmsten Szenarien außer Acht zu lassen, ist bestenfalls
naives Risikomanagement und schlimmstenfalls tödlich dumm.«


Optimierung und Abstimmung der Prozessabläufe


Digitaler Fernzugriff  Modulare Anlagekonzepte

 

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Mit Biomethan(Biogas)Strom Wärme Wasserstoff erzeugen

 

Mittwoch, Juli/13/2022

Ist Biogas eine Alternative zum Erdgas? 
Die Europäische Union setzt auch auf Biogas, um sich von russischem Gas unabhängig zu machen und gleichzeitig
klimaneutral zu werden.

In Europa gibt es aktuell rund 20.000 Biogasanlagen, in Deutschland mehr als 9000. Laut dem Europäischen
Biogasverband könnte man 
diese Zahl bis 2030 verdoppeln, um die von der EU vorgeschlagenen 35 Milliarden
Kubikmeter Biogas zu produzieren.

Das entspricht etwa 20 Prozent des Gases, das Russland aktuell in die EU exportiert. Bis 2050 könnte Biogas
30 bis 50 Prozent 
des Gasbedarfs der EU decken. Aber wie funktioniert überhaupt eine Biogasanlage.
In einer Biogasanlage bauen laut dem Umweltbundesamt Bakterien pflanzliches oder tierisches Material
unter Ausschluss 
von Sauerstoff ab. Dabei entsteht Biogas. In Deutschland werden drei Viertel dieses Materials
nur für die Anlage angebaut, 
dazu zählen Energiepflanzen wie Mais, Getreide und Gras. Zu 18 Prozent wird
Gülle eingespeist. Den Rest machen Bioabfälle.

Während Erdgas fast ausschließlich aus Methan besteht, sind im Biogas 50 bis 75 Prozent Methan enthalten.
Das kann man 
entweder direkt vor Ort zu Strom und Wärme umwandeln. Oder das Biogas wird auf Erdgasqualität
aufbereitet und in das Netz 
eingespeist. 2020 deckte Biogas 4,9 Prozent des deutschen Stromverbrauchs und
wird zu den erneuerbaren Energien gezählt. 
Aber ist Biogas wirklich umweltfreundlicher?
Unsere Brennstoffzellen-Anlagen verwerten den Energieträger Biomethan
in einer elektrochemischen 
Reaktion, je nach Bedarf und Konfiguration der Anlage,
in Strom, Wärme und spezifisch Wasserstoff.

Biogas reagiert bei uns deshalb elektrochemisch CO2-neutral, weil die Pflanzen das entstehende CO2 zuvor aus der
Atmosphäre gezogen haben.
Allerdings setzen
Biogasanlagen bei Verbrennung andere schädlichere Treibhausgase frei, wie Methan und Lachgas.
Das Umweltbundesamt schreibt, dass rund fünf 
Prozent des Methans aus den Anlagen in die Atmosphäre entweichen würde.
Ein Bericht des Umweltbundesamtes von 2019 zeigt, 
was das unterm Strich bedeutet. Demnach ersetzt Biogas im
Stromsektor zu über zwei Drittel Steinkohle und zu rund einem Drittel 
Erdgas.

So werden trotz der Methanemissionen rund 400 Gramm CO2-Äquivalente pro Kilowattstunde eingespart.
Das liegt daran, 
dass sehr viel CO2 eingespart wird. Im Wärmesektor ersetzt Biogas vor allem Heizöl und Erdgas.
Hier spart Biogas rund 180 
Gramm CO2-Äquivalente pro Kilowattstunde ein. Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe
zeigte 2016, dass es entscheidend ist, 
welches Material genutzt werde. Wenn Biogas ausschließlich aus extra angebauten
Energiepflanzen produziert wird, dann setzt Biogas 
mehr CO2-Äquivalente pro Kilowattstunde frei, als der
deutsche Strommix 2020. Dieser besteht zu 46 Prozent aus erneuerbaren Energien.

Das liegt daran, dass die Pflanzen bewirtschaftet und gedüngt werden müssen. Je mehr Gülle eingespeist wird,
desto klimafreundlicher 
wird das Biogas. Grund hierfür ist, dass Gülle ohnehin vorhanden und in der Anlage
umweltschonender verwertet wird, als wenn sie 
auf dem Acker landet. Zudem ist das Abfallprodukt von Biogas
eine klimafreundliche Düngealternative zur Gülle.